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Arbeitsweisen

In Anti-Bias-Seminaren wird dazu eingeladen, die eigene Praxis zu reflektieren und Handlungsansätze gegen Diskriminierung und Unterdrückung zu entwickeln. Ausgehend von den eigenen Erfahrungen werden die Funktionsweisen von Diskriminierung auf der zwischenmenschlichen, institutionellen und ideologisch-diskursiven Ebene kognitiv und emotional nachvollziehbar. Dabei wird auch die eigene Position im Kontext gesellschaftlicher Machtstrukturen reflektiert. Auf dieser Grundlage können Alternativen zu unterdrückenden und diskriminierenden Kommunikations- und Interaktionsformen für die eigenen Lebenszusammenhänge entwickelt werden.

Meist basiert der Lernprozess in der Anti-Bias-Arbeit auf einem Dreischritt: Ausgehend von einer intensiven (1) Selbstreflexion werden (2) im Austausch mit anderen (3) Handlungsmöglichkeiten entwickelt.

Zentraler Aspekt der Arbeitsweise des Anti-Bias-Ansatzes ist die Erfahrungsorientierung. Gemeint ist das Lernen anhand biografischer Erfahrungen der Teilnehmenden sowie der Einbezug der Erfahrungen im konkreten Seminarkontext, in der konkreten Lerngruppe. Diese Erfahrungen werden als Ausgangspunkt für Reflexions- und Veränderungsprozesse genutzt. Dabei steht zum einen der ganz persönliche Lernprozess im Vordergrund, zum anderen wird aber auch die jeweilige Seminargruppe als Lernraum genutzt, um in der konkreten Gruppensituation zu lernen.

Wir sehen den Anti-Bias-Ansatz als ein offenes Konzept und greifen auch auf Methoden anderer Konzepte zurück, die den Zielen und der Haltung der Anti-Bias-Arbeit entsprechen. Dadurch entwickeln wir unsere Arbeit beständig weiter.

Der Anti-Bias-Ansatz versteht sich weniger als eine Zusammenstellung bestimmter Methoden und deren Anwendung in der Bildungsarbeit, sondern vielmehr als ein langer Weg der Auseinandersetzung. So kann ein Anti-Bias-Seminar nur einen kleinen Schritt auf diesem Weg darstellen. In erster Linie bedeutet Anti-Bias-Arbeit einen (lebenslangen) Prozess der Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung und mit gesellschaftlichen Ungleichheitsstrukturen. Dies beinhaltet die Reflexion der eigenen Verstrickung in gesellschaftliche Machtverhältnisse und die Beteiligung an deren Aufrechterhaltung – als wichtiger Ausgangspunkt für Veränderungen.