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Geschichte des Anti-Bias-Ansatzes

Der Anti-Bias-Ansatz wurde Anfang der 1980er Jahre von Louise Derman-Sparks und Carol Brunson-Philips (sowie weiteren Absolvent_innen des Lehramtsstudiums) am Pacific Oak College in Kalifornien entwickelt. Ausgangspunkt war ihre Unzufriedenheit mit den damaligen Ansätzen multikultureller Erziehung. Ihr Ziel war es, der zunehmenden Heterogenität in der US-amerikanischen Gesellschaft allgemein und im Primar- und Elementarbereich insbesondere umfassender gerecht zu werden.

Anfang der 1990er Jahre wurde der Anti-Bias-Ansatz auch in Südafrika bekannt, adaptiert und weiterentwickelt. Er erhielt dort nach 1994, also nach der gesetzlichen Abschaffung der Apartheid, eine besondere Bedeutung, da er eine Auseinandersetzung mit dem trotz gesetzlicher Veränderungen weiter bestehenden 'Rassismus in den Köpfen' ermöglichte. Ein selbstorganisiertes Netzwerk arbeitete daran, den Anti-Bias-Ansatz auch auf die Arbeit mit Erwachsenen zu übertragen und setzte die Anti-Bias-Arbeit insbesondere im Rahmen von Lehrer_innen- und Erzieher_innen-Fortbildungen um. Es ging darum, im Bildungssystem tätige Pädagog_innen dabei zu unterstützen, das eigene hierarchische und unterdrückende Verhalten zu erkennen und neue Handlungsweisen in den veränderten Strukturen zu erlernen.

Ende der 1990er Jahre wurde der Anti-Bias-Ansatz in Deutschland bekannt. Erste Erfahrungen wurden zunächst im Rahmen des Projektes ‚Vom Süden lernen’ von INKOTA (www.inkota.de) gesammelt. In internationaler Besetzung, insbesondere in enger Zusammenarbeit mit südafrikanischen Trainer_innen, wurden Anti-Bias-Seminare angeboten. Aus diesem Fachkräfteaustausch entstanden verschiedene Organisationen und Arbeitsgruppen, die sich in der Anti-Bias-Arbeit in Deutschland engagieren. Stärker auf den US-amerikanischen Ansatz bezieht dagegen das Projekt 'Kinderwelten' (www.kinderwelten.org). Heute wird in ganz Deutschland auf verschiedenen Ebenen zu und mit dem Anti-Bias-Ansatz gearbeitet: Sowohl im Bereich der politischen Erwachsenenbildung oder im universitären Kontext, als auch in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, mit Kindertageseinrichtungen und Schulen.

Weitere Informationen zu verschiedenen Akteur_innen der Anti-Bias-Arbeit finden Sie unter Links.