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Diskriminierung

Zentraler Inhalt der Anti-Bias-Arbeit ist die Auseinandersetzung mit Diskriminierung und Unterdrückung. Dabei konzentriert sich der Ansatz (anders als beispielsweise klassische Antirassismus- oder Antisexismustrainings) nicht auf eine spezifische Diskriminierungsform, sondern nimmt verschiedene Formen von Diskriminierung in den Blick und möchte Funktionsweisen und Mechanismen von Diskriminierung herausarbeiten. In diesem Zusammenhang sind besonders die vielschichtigen Verstrickungen und gegenseitigen Abhängigkeiten der verschiedenen Kategorien (wie z.B. soziale Klasse, sexuelle Orientierung, Gender, rassialisierende/ethnisierende Zuschreibungen, körperliche und geistige Gesundheit, Alter etc.) untereinander von Bedeutung.

Eine weitere Besonderheit des Anti-Bias-Ansatzes ist der Einbezug der individuellen und der gesellschaftlichen Ebene. Diskriminierung geht nicht allein von Vorurteilen Einzelner aus, sondern basiert auf vorherrschenden gesellschaftlich geteilten Bildern, Bewertungen und Diskursen und insbesondere auf der strukturell ungleichen Verteilung von Privilegien und Ressourcen. Dieser komplexe Zusammenhang reicht in vielen Fällen tief hinein in die institutionellen, rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen von Alltag und (pädagogischem) Handeln. Ein Ziel der Anti-Bias-Arbeit ist es, diese verschiedenen Dimensionen in ihren Bedeutungen bewusst zu machen und auch auf dieser Ebene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Macht

Im Zusammenhang mit dem Thema Diskriminierung nimmt auch die Auseinandersetzung mit situativen und gesellschaftlichen Machtverhältnissen eine wichtige Rolle ein. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Machtverhältnisse in alle Situationen hineinragen und es keine herrschaftsfreien Räume gibt, die außerhalb dieser Verhältnisse liegen.

Machtverhältnisse werden dabei verstanden als etwas, das von Menschen aus unterschiedlichen Positionen heraus produziert und reproduziert wird: durch machtsichernde Maßnahmen, durch Unterordnung und Unterwerfung, durch Profitieren von Privilegien, durch Selbstbeschränkung, durch Rückgriff auf gesellschaftlich institutionalisierte Strukturen etc.

Der Anti-Bias-Ansatz zielt deshalb darauf, die eigene Machtposition (sowohl in konkreten Situationen als auch innerhalb gesellschaftlicher Herrschaftsstrukturen) zu reflektieren, die Selbstverständlichkeit eigener Privilegien zu hinterfragen, Handlungsmöglichkeiten (auch in benachteiligten Positionen) zu entwickeln, und auf dieser Grundlage zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Machtposition zu gelangen.

Vorurteile und Differenzierungen

Desweiteren wird der Blick gerichtet auf das Themenfeld von Differenzierungen, Zugehörigkeiten, Zuschreibungen, von Bildern, Vorurteilen und Stereotypen. Die Auseinandersetzung mit Differenzierungen setzt bei der Reflexion eigener Zugehörigkeiten und eigener Selbstverständlichkeiten an. Dabei werden die subjektiven Bedeutungen und die gesellschaftliche Relevanz von Zugehörigkeiten thematisiert, und im Spannungsfeld von Fremdzuschreibungen und Selbstpositionierungen betrachtet.

Der Anti-Bias-Ansatz geht davon aus, dass alle Menschen Vorurteile haben, und zielt darauf, eine vorurteilsbewusste Haltung zu entwickeln. Die Arbeit zu Vorurteilen und Bildern umfasst weniger die Frage des WAS?, also die konkreten Inhalte der Bilder und Vorurteile, sondern vielmehr die Frage nach dem WIE?, also nach den Prozessen ihrer Herstellung, den Mechanismen der Aufrechterhaltung, dem Einfluss auf eigenes Handeln, und nach ihren Funktionen.

Es liegt die Annahme zugrunde, dass Vorurteile und Stereotype nicht als individuelle Fehlurteile zu sehen sind, sondern in der Gesellschaft als Ideologien institutionalisiert sind, als gesellschaftlich vorherrschende Wahrnehmungs- und Interpretationsmuster. Diese werden von Individuen erlernt. Dementsprechend können darauf basierende Verhaltensweisen wieder ‚verlernt’ und institutionalisierte unterdrückende Ideologien aufgedeckt und hinterfragt werden.