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Projekt zu Adultismus - Andocriando

Das Projekt 'andocriando'

zielt darauf

  • mehr Bewusstsein für die ungleichen Machtverhältnisse zwischen 'Kindern' und 'Erwachsenen' zu schaffen

  • eine kritische Selbstreflexion als 'Erwachsene' zu fördern

  • die Funktionsweisen und Effekte von Adultismus sichtbar zu machen

  • verinnerlichte Selbstverständlichkeiten in Bezug auf Erziehung aufzuspüren und zu hinterfragen

  • zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Machtposition anzuregen

  • die Entwicklung einer adultismuskritischen Haltung in der Begleitung von jüngeren Menschen zu unterstützen

  • ein respektvolles, bedürfnisorientiertes, flexibles und verantwortungsbewusstes Miteinander von jüngeren und weniger jüngeren Menschen im Alltag zu entwickeln

  • den Austausch zwischen Eltern/Hauptbezugspersonen zu fördern

'andocriando' ist spanisch und heißt frei übersetzt soviel wie „Ich gehe, während ich Kinder im Aufwachsen begleite“. Diese Aussage entstammt einer aktuellen Bewegung von Eltern und Pädagog_innen in Spanien, die eine kritische Selbstreflexion und stetige Weiterentwicklung der eigenen Haltung und Praxis als zentralen Bestandteil des Begleitungsprozesses verstehen. Das Projekt ‚andocriando’ ist aus dieser Bewegung heraus entstanden und fokussiert insbesondere die (Macht-)Verhältnisse zwischen Kindern und Erwachsenen und die Möglichkeiten ihrer Veränderung.

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Angebote

Wir bieten verschiedene Zugänge zum Thema:

  • Fortbildungen für (angehende) pädagogische Fachkräfte

  • Workshops als Reflexionsräume für Eltern und Hauptbezugspersonen (mit oder ohne Begleitung jüngerer Menschen)

  • 4-stündige Kurzworkshops zu verschiedenen Themen, die einzeln oder nacheinander besucht werden können

Gerne entwickeln wir auch mit ihnen gemeinsam ein Konzept für ihre Einrichtung, Gruppe, ihren Verein oder ihr Kollegium.

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Workshops für jüngere Menschen (z.B. im Rahmen von Projekttagen an Schulen, außerschulischer Projektarbeit, Gruppenreisen, Ferienangeboten ...)

Keine Lust mehr auf die Schubladen! Kinderrechte, Partizipation und Antidiskriminierung

Auch für jüngere Menschen bieten wir Projekte an, die sich mit dem Thema Adultismus auseinandersetzen und eine Auseinandersetzung mit Schubladendenken und Diskriminierung im Allgemeinen ermöglichen.

Im Vordergrund steht dann zunächst das Thema Kinderrechte. Welche Rechte haben wir als Kinder eigentlich? Werden diese in unserem Alltag und den Institutionen beachtet? Was machen wir für Erfahrungen? Womit wollen wir mehr gehört werden? Was würden wir gerne verändern?

Dabei reden wir nicht nur, sondern spielen auch und malen, lesen eine Geschichte und Comics und gehen auf Erkundungstour in unserem Umfeld.

Wenn wir eh schon über die Schubladen ‚Kinder’ und ‚Erwachsene’ nachdenken, gehen wir gleich noch einen Schritt weiter: Was gibt es denn sonst für Schubladen, in die wir gesteckt werden oder andere stecken? Woher kommen diese Schubladen und was machen diese Erfahrungen mit uns?

Wir wollen gemeinsam ausprobieren, wie wir mit Schubladen, entsprechenden Sprüchen und Ungerechtigkeiten umgehen können und wie wir uns gegenseitig unterstützen können. Mal sehen, vielleicht haben wir ja gute Ideen, wie wir auch den Rest der Gruppe, des Vereins oder der Schule in Bewegung bringen können...

Dauer der Workshops: 3 – 5 Tage

Gerne besprechen wir mit der Gruppe und den Begleiter_innen die genauen Inhalte und Abläufe des Workshops entsprechend der konkreten Kontexte und Anliegen.

Für die erwachsenen Begleiter_innen, oder Lehrenden bieten wir zu jedem Workshop ein Gespräch im Vorhinein sowie eine Reflexion im Nachhinein an.

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Adultismus – was ist denn das?

Der Begriff Adultismus leitet sich von dem englischen Begriff 'adult' (Erwachsene) ab. Adultismus lässt sich als das ungleiche Machtverhältnis zwischen 'Erwachsenen' und 'Kindern' beschreiben, welches die Gesellschaft aber auch die konkreten Beziehungen durchzieht und mit Unterdrückung und Diskriminierung von jüngeren Menschen einhergehen kann.

Die Welt, wie wir sie kennen, ist für Erwachsene und von Erwachsenen gemacht. Sie ist schnell, rational, effizient und die Türklinken und Waschbecken sind weit oben. Erwachsene wissen, wann Kindern kalt ist oder ob es jetzt angemessen ist, zu weinen. Die Kita gibt es, damit Erwachsene arbeiten gehen können und die Schule bestimmt die Lerninhalte, den Rhythmus und die richtigen Antworten in weiser Voraussicht für alle Kinder. Vorherrschende Erziehungsdiskurse und unsere eigenen 'Polizist_innen im Kopf' legen uns Erwachsenen nahe, dass wir dann und wann 'durchgreifen' müssen, damit uns niemand auf der Nase herum tanzt … oder damit das Machtverhältnis nicht in Frage gestellt wird.

Adultismus beruht auf der Einordnung und Bewertung von Menschen allein aufgrund ihres Alters.

'Den Erwachsenen' werden in diesem Sinne bestimmte Eigenschaften, Kompetenzen, Wissensbestände zugeschrieben, die als richtig, wichtig und 'normal' gelten. Sie stellen die unausgesprochene Norm dar, an der sich der Blick auf jüngere Menschen orientiert. Auch über 'die Kinder' und deren (In-)Kompetenzen und Eigenschaften existieren entsprechende verallgemeinernde Vorstellungen und Bewertungen. „Kinder sind …“ - da fällt uns viel zu ein.

Das Verhältnis zu den jüngeren Menschen, mit denen wir unseren Alltag teilen, ist entsprechend unbewusst durch Vorurteile/Zuschreibungen und Bewertungen geprägt, die wir über Kinder im Allgemeinen verinnerlicht haben. Was alles trauen wir ihnen nicht zu? Welche Interpretationen über ihr Verhalten und die dahinter liegenden Gründe fallen uns als erstes ein? Was alles müssen Kinder noch lernen? Und wie denken wir lernen sie es am besten?

Nun kann das Verhältnis zwischen 'Erwachsenen' und 'Kindern' kein vollends gleichberechtigtes sein. Eltern/Bezugspersonen von jüngeren Menschen tragen die Verantwortung für den Schutz und das Wohlergehen eben dieser. Je nach Alter und Person brauchen jüngere Menschen konkrete Unterstützung und Begleitung.

Die Verhältnisse verändern

Eine adultismuskritische Haltung auf zwischenmenschlicher Ebene basiert auf einer gleichwertigen und gleichwürdigen Beziehung, in der auch die jüngere Person gesehen und respektiert wird und ihre Bedürfnisse, Perspektiven und Kompetenzen ernst genommen werden. Eine adultismuskritische Haltung wird also insbesondere in dem Verhältnis zwischen erwachsenen und jüngeren Personen sichtbar.

Wie würde wohl die Welt aussehen, wenn jüngeren Menschen die gleiche Wertschätzung und Anerkennung wie 'Erwachsenen' zuteil werden würde und sie deutlich mehr Möglichkeiten zur Partizipation hätten? Wenn uns zu dieser Frage zuerst 'Eis für alle' einfällt, dann heißt das, dass wir noch viel viel mehr fragen und zuhören können.

Zum Weiterlesen:

Juul, Jesper und Hensen, Helle (2004). Vom Gehorsam zur Verantwortung. Für eine neue Erziehungskultur. Düsseldorf und Zürich.

Juul, Jesper (2008). Das kompetente Kind. Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie. Reinbek bei Hamburg.

Liebel, Manfred (2010). Diskriminiert, weil sie Kinder sind : ein blinder Fleck im Umgang mit Menschenrechten. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung 5 (2010), 3, pp. 307-319. URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0168-ssoar-354707

Richter, Sandra (2013). Adultismus: die erste erlebte Diskriminierungsform? Theoretische Grundlagen und Praxisrelevanz.http://www.kita-fachtexte.de/texte-finden/detail/data/adultismus-die-erste-erlebte-diskriminierungsform-theoretisch-grundlagen-und-praxisrelevanz/

Ritz, Manuela (2008). Adultismus- (un)-bekanntes Phänomen. Ist die Welt nur für Erwachsene gemacht? In Wagner, Petra (Hrsg.), Handbuch Kinderwelten. Vielfalt als Chance. Grundlagen einer vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung. (S. 128-136). Freiburg im Breisgau.

 

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